Stille vor dem Neubeginn
Ein Sufi-Rückzug zwischen den Jahren
Wenn das Jahr sich neigt, öffnet sich eine Schwelle.
Ein stiller Raum zwischen dem, was gewesen ist, und dem, was sich noch nicht offenbart hat.
Hier gibt es nichts zu erreichen und nichts zu werden.
Nur die Einladung, still genug zu werden, um zu lauschen.
In der Stille wird das Herz empfänglich. Im Dhikr erinnert sich die Seele.
Mit jedem Atemzug kehrt der Mensch zu seiner verborgenen Quelle zurück.
Ḥuḍūr, Gegenwärtigkeit. Hier sein. Lauschen.
Geschehen lassen, was nicht länger getragen werden muss, und dem, was noch verborgen ist, seine Zeit lassen.
Meditation, Dhikr, Atem und Schweigen begleiten diese Tage der Einkehr.
Das Vergangene darf sich vollenden. Das Zukünftige muss noch keinen Namen tragen.
Ein Lauschen auf das, was Allah im Verborgenen bewegt.
Ein Lauschen unterhalb des Lärms. Eine Rückkehr zum Herzen. Ein Überschreiten der Schwelle.
Nicht mit Antworten in das neue Jahr eintreten, sondern mit Gegenwärtigkeit.
Wir beginnen diese Tage mit einem gemeinsamen Dhikr, der uns durch Tage und Nächte begleitet und von allen Teilnehmenden miteinander getragen wird.
Die übrige Zeit gehört der persönlichen Stille und Meditation. Jede und jeder folgt dabei einer von Fawzia Al-Rawi vorgeschlagenen Meditationssequenz.
Fünfmal während des Rückzugs kommt die Gruppe zu einer einfachen gemeinsamen Mahlzeit zusammen, die nach Möglichkeit ebenfalls in Stille eingenommen wird.
Mögen diese Tage zu einem Raum werden, in dem das Herz sich erinnert, der Atem zum Gebet wird und das Verborgene in seiner eigenen Zeit sprechen darf.