Qur'an – Einführung in das Mysterium Qur'an

In jedem Klang des Korans ist Gott gegenwärtig, das Unbegreifliche. Der Koran ist das Ereignis, das er sein will: eine Offenbarung. Daher ist jede Aufklärung zugleich Verklärung. 

Um Einsicht zu bekommen, brauchen wir Demut, aber auch eine Nähe zu uns selbst. Das bloße Durchlesen des Korans bleibt genauso dunkel wie verfehlt, wenn sich daraus bloß Urteile über den Koran bilden. 

Das erste Gebot des Korans ist: „Lies!“ (96:1) Versuche zu verstehen! Verstehen, was Gott sagen will, das Dasein, die Natur, die Menschheit und du selbst. Verstehe, sodass du stets deine Nahrung, deine Leitung, dein Leben daraus holen kannst. 

Wenn wir sagen, dass der Koran jenseits von Zeit und Raum stets Gültigkeit hat, so ist es unsere Aufgabe, uns in seine Botschaft zu vertiefen und ihn in unserem Leben lebendig zu machen.

An diesen Tagen versuchen wir uns durch Erläuterungen, durch die Vertiefung in die einzelnen Verse und Suren uns für dieses heilige Buch zu öffnen.
So wie die Welt, so ist der Koran zugleich eins und vielfältig. Die Welt ist eine Vielfalt, welche zerstreut und zerteilt, der Koran eine Vielfalt, welche sammelt und zur Einheit führt.
Der Koran zeigt uns die Wege derer, die den Weg zu Allah fanden und jener, die den Weg verloren haben. Der Koran will das, was getrennt wurde, wieder zusammenführen, das, was vergessen wurde, wiederbeleben.
Wenn wir uns den Koran ansehen, so lässt sich die Uneindeutigkeit als das umgreifende Prinzip des Koran bestimmen und die arabische Sprache ist eine Meisterin der Ambiguität und Vielfalt. 
Der Koran ist seit mehr als 1.400 Jahren derselbe, und dennoch wirken dieselben Worte unterschiedlich auf uns, je nachdem in welchem Bewusstsein wir uns befinden.
Beim Koran am Wort zu hängen, bringt kein Verstehen. Jede Einführung in den Koran widerspiegelt eher das Bewusstsein und den Standpunkt des Interpreten als den Koran selbst. 
In jedem Klang des Koran ist Gott gegenwärtig, das Unbegreifliche.
Der Koran ist das Ereignis, das er sein will: eine Offenbarung. Daher ist jede Aufklärung zugleich Verklärung.
Allah sagt: „Wir haben den Koran nicht auf dich herabgesandt, um dich unglücklich zu machen“ (20:1), sondern als Wegweiser und als Mittel zur Glückseligkeit.

Zyklus Drehtanz

DER SUFI-DREHTANZ: 

Der Tanz als Gebet

Der Sufi-Drehtanz ist kein gewöhnlicher Tanz. Er ist ein Symbol für die kosmische Ordnung, für den Weg des Menschen zur Einheit mit Gott (Tawhid), und ein Werkzeug zur Reinigung des Herzens.

„Tanze, damit dein Herz Luft bekommt. Drehe dich, damit deine Seele nicht stehen bleibt.“

Im Drehtanz dreht man sich um die eigene Achse, die rechte Hand öffnet sich zur Himmelssphäre, offen empfangend für göttliche Gnade, während die linke Hand zur Erde zeigt, ein Zeichen dafür, dass diese Gnade an die Welt weitergegeben wird. 

Der Tanz wird somit zu einem Kanal zwischen dem Himmlischen und dem Irdischen.
Die Drehung der Derwische ist eine Nachahmung der göttlichen Ordnung, sowohl im Kosmos als auch im Herzen. 
Durch die bewusste Bewegung kehrt die Tänzerin zum Ursprung zurück. Es ist ein äußerliches Drehen, das einem inneren Stillwerden dient.

Im Sufi-Drehtanz wird das Ego, das Nafs, durch ständige Rotation „desorientiert“, bis es seine Identität verliert. 
In diesem Zustand beginnt das Herz sich zu öffnen. Es geschieht eine Transformation:
Das Ich wird losgelassen und die Tänzerin wird zum Gefäß, die ihren Willen der göttlichen Gegenwart hinhält.

Der Tanz ist wie eine innere Alchemie, in der Blei (Ego) zu Gold (Liebe) wird. Es ist ein Weg, ein „Tanz Pfad zur Gotteserkenntnis“.
In der westlichen Welt trennt man oft zwischen Körper und Geist.  In der Sufi-Tradition jedoch ist der Körper ein Gefährte der Seele. 

Der Tanz ist keine Ablenkung, er ist Dhikr, eine körperlich-rhythmische Form der Gotteserinnerung.
Der Körper dreht, aber das Herz ruht im ständigen Gedenken.

Wer sich dreht, der will nicht fliehen  –  er will sich verlieren, um sich in Gott zu finden.

Der Drehtanz lädt uns ein, ganzheitlich zu beten. Er ist ein Ruf, Körper, Seele und Verstand wieder zusammenzubringen. 

Dieser Tanz hilft uns präsent im Moment zu sein. Er inspiriert uns in unserer Rückbesinnung auf das Wesentliche und er belebt unsere Sehnsucht nach Einheit, mit uns selbst, mit dem Universum, mit Gott.

Der Drehtanz ist ein uraltes, spirituelles Mittel zur Selbsterkenntnis, zur Herzöffnung, zur Rückkehr zur Göttlichen Mitte. 
Wenn du dich im Kreis drehst, kannst du das Zentrum finden, den Ort, an dem dein Herz Allah sagt, auch wenn dein Mund schweigt.

"Gott ist schöner als alles, was gesehen wird. Wenn das Herz sich an Ihn erinnert, tanzt der Körper." Hasan al-Basri 

In diesem Tanz verbrennt das Ich. Zurück bleibt: reine Liebe. 
Eine Liebe, die keine Bedingung kennt, kein Ziel außer das Göttliche.

"Du wurdest mit Flügeln geboren, warum kriechst du durchs Leben?" Rumi

Der Drehtanz ist ein Symbol für Heilung. Eine Rückkehr zur Mitte. Eine Möglichkeit, sich wieder ganz zu fühlen.
Der Drehtanz ist eine Einladung: an dich, an mich, an uns alle. 
Zu drehen, bis sich das Herz öffnet. Zu drehen, bis der Verstand schweigt. Zu drehen, bis nur noch einer bleibt: Hu, der Geliebte.